Baukunst in Baden
  Burg Girbaden
 


Man betritt ein gewaltiges Areal. Steht man inmitten einer untergegangenen Stadt? Die Länge der Mauern würde ohne weiteres für eine kleine Stadt ausreichen. Aber nein, die 200 auf 60 Meter Grundfläche sind das stolze Maß der zweitgrößten Burganlage des Elsass, alleine die Hohkönigsburg, Festung schlechthin dieses Landstriches, besitzt größere Ausmaße! Jedoch, was an Grundfläche so beeindruckend, ist als Burg die zerschmissenste Ruine, die man sich ausmalen mag!
So groß die Anlage, dass sie die Bauernkriege des 16. Jahrhunderts ohne Eroberung überstand. Mit entsprechender Besatzung im 30jährigen Krieg vermochte sie sogar den Burgenzerschmetterern des Elsass', den Schweden, zweimal zu trotzen. Dann aber überwand der wütende Feind und machte der dreiteiligen Anlage kurzen Prozeß. Die böse Zerstörung, der unabwendbar zagende Zahn der Zeit, dessen Gevatter der Verfall ließen das einst so stolze Gemäuer in eine nur noch rudimentäre Existenz fallen. Die größte unter den so zahlreichen Elsass-Burgruinen (die Hohkönigsburg ist ein intaktes/wiederhergestelltes Schloss), sie hat jenseits der schieren Ausdehnung nur noch so wenig zu bieten, dass mehrere Anlagen die Girbaden an Ansehnlichkeit übertreffen.
Sehenswert ist die Burgruine dennoch ohne weiteres. Und weil die auffälligen Partien für Burgenverhältnisse so weitläufig verstreut sind, ergibt sich eine ganz ungewöhnliche, darüber nicht wenig attraktive Besichtigung.
Die linke Abbildung zeigt den auffreizendste Teil, die Kernburg, deren Mauern auf einem mächtigen Sandsteinfelsen "balancieren". Zweifellos ein bedeutender Beitrag zu den Burgenbildern des Elass'!
Das rechte Bild gibt eines der fünf Burgtore wieder und dahinter wiederum die Kernburg mit ihrem nur noch über eine dafür umso höhere Ecke verfügenden Bergfried.

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Die Girbaden ist eine stauferzeitliche Höhenburg in den Vogesen (bei Mollkirch), die auf 565 Höhenmetern über das nahe Tal der Magel wacht. Sie  wird 1137 erstmals urkundlich erwähnt. Dabei handelt es sich um die Kernburg/Oberburg, welche spätestens durch den Grafen Hugo VII. (1095–1137) der Linie Dagsburg-Egisheim als Schutzburg der nahen Benediktinerabtei (und Hauskloster der Grafen) Altorf bei Molsheimerrichtet wurde. Hierzu zählt der stark beschädigte Bergfried, errichtet auf blankem Felsen, wie links zu sehen.
Durch das Rundbogentor rechts unten betritt man die jüngere Unterburg. Kein geringerer als Friedrich I. Barbarossa ließ die Kernburg im Jahre 1162 zerschlagen. Umso erstaunlicher, dass dann sein Enkel Friedrich II. ausgerechnet hier ab 1219 unter beträchtlicher Ambition einen Neubau mit vornehmem Saalgebäude und eigenem Bergfried durchaus in der Art einer Pfalz erbaute. Diese Anlage, später als Unterburg ausgewiesen, erhob sich bei direktem Anschluss westlich der Oberburg, welche den Dagsburgern trotz Zerstörung blieb (die Burg wurde wieder aufgerichtet). Doch schon 1226 überließ Friedrich II. die Unterburg dem Straßburger Bischof, dem 1241 schließlich auch die dagsburgische Oberburg zukam.
Der größte Teil der Burganlage, per tiefem Halsgraben von der Unterburg abgetrennt, ist die Burgmannensiedlung, die gleichfalls unter Friedrich II. mit einem weiteren Bergfried errichtet wurde. Hier steht auch die Burgkapelle St. Valentin rechts oben, ein ursprünglich dreischiffiger, im Kern romanischer Bau, dem immerhin das Mittelschiff blieb. Noch im 19. Jahrhundert wurde die Kapelle als Einsiedlerklause genutzt. Auch der Bergfried, Hungerturm genannt, ist gut erhalten. Ansonsten betritt man ein großes, wie leergfegtes Areal, bestens definiert noch von der Ringmauer.

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Links oben blickt man auf die Ostseite der Girbaden, damit auf die Zwingermauer des 14./15. Jahrhunderts mit rundbogigem Tor und die dahinter aufsteigende dagsburgische Kernburg. Während die Burgmannensiedlung schon im 14. Jahrhundert stark an Bedeutung verlor, wurden die Ober- und Unterburg nach Osten und Süden in diesem und im folgenden Jahrhundert durch Zwingermauern noch wehrhafter.
Links unten der umgekehrte Blick, das selbe Burgtor, von innen betrachtet. Seitlich davon eine Schießscharte.
Die rechte Abbildung zeigt den Palasrest und die noch intakte Bergfried-Ecke der Oberburg, gesehen von der gegenüberliegenden Ringmauer. Während der Bergfried aus glatt gearbeitetem Sandstein gefertigt wurde, zeigt der Palas Buckelquader. Außerdem gewahrt man auch hier einen Bogen, der aus statischer Notwendigkeit den unregelmäßigen Fels überspannt.

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Das Bild rechts unten zeigt die Querwand zwischen Unter- und Oberburg, errichtet aus Buckelquadern.
Trotz der großen Zerstörung zeigt die Girbaden noch zahlreiche ansehnliche Details, wie gleich mehrere Rundbogentore (links in Zwingermauer und rechts unten in die Oberburg), sowie noch manch' romanisches Detail am Palas der Unterburg.
Am reizvollsten, jedenfalls nach Meinung des Autoren, ist jedoch die Verbindung nackter Fels und Oberburg (Abbildung rechts oben, Südseite der Oberburg). Mitunter wirkt die Sandstein-Felskuppe wie einzelne Felsbrocken, denen gleich einem statischen Wagnis Burgmauern aufgesetzt, welche ihrerseits vermittels gemauerter Bögen die gewaltigen Felsbrocken zusammenhalten. Wie gesagt, eines der reizvollsten Burgbilder im Elsass; schade nur, dass die Oberburg derart zerschmissen - höhere Mauern würden die Prospekte noch effektvoller machen.

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Quellen
1) das Bauwerk selbst - Stilmerkmale; Burg und Landschaft
2) Walter Hotz "Handbuch der Kunstdenkmäler im Elsass und in Lothringen", Deutscher Kunstverlag GmbH München Berlin, Ausgabe 1970
3) Wikipedia-Artikel "Burg Girbaden"

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